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Dr. Isabel Leicht

„Künstliche Intelligenz wird unsere Gesundheitsversorgung verändern – die Frage ist, wie wir sie gestalten“, so Akademiepräsident Markus Schwaiger. „Mit dem White Paper ziehen wir eine aktuelle Zwischenbilanz und blicken gleichzeitig nach vorne: Wir liefern der Politik konkrete Handlungsempfehlungen, um den Wissenschaftsstandort Bayern international wettbewerbsfähig zu halten und die medizinische Versorgung für alle Bürgerinnen und Bürger zu verbessern. Ich danke allen Beteiligten der Arbeitsgruppe „KI in der Medizin“ für ihr außerordentliches Engagement. Die BAdW versteht sich gerade bei derart komplexen Themen als Brückenbauerin zwischen Disziplinen und Institutionen. Sie schafft so Verbindungen zwischen verschiedenen Perspektiven, die im regulären Wissenschaftsbetrieb selten entstehen.“
Künstliche Intelligenz bietet vielfältige Einsatzmöglichkeiten in der Medizin. Sie wird es künftig ermöglichen, große Mengen medizinischer Informationen zu integrieren und individualisierte Vorhersagen für Patientinnen und Patienten zu treffen. Zudem wird KI den Zugang zur medizinischen Versorgung erleichtern, das Personal von aufwändigen Dokumentationspflichten entlasten und durch teilweise autonom agierende Prozessketten unterstützen. Dadurch kann die Arzt-Patient-Kommunikation verbessert werden. Es ist zu erwarten, dass eine KI-unterstützte Medizin die Qualität der medizinischen Versorgung insgesamt deutlich verbessert und sich neue Möglichkeiten für eine datengetriebene Prävention ergeben. Das ist eine wichtige Voraussetzung, um die Herausforderungen in der Gesundheitsversorgung einer alternden Gesellschaft zu bewältigen.
Das White Paper gibt einen Überblick über den derzeitigen Stand der KI-Forschung und -Anwendung in der Medizin in Bayern. Im Mittelpunkt stehen patientenzentrierte Anwendungen: KI-gestützte Tools für eine nutzerfreundliche Gesundheitsversorgung sowie für Diagnose, Therapie und Prävention, etwa in der medizinischen Bildgebung, der Pathologie und Präzisionsonkologie, der Chirurgie oder bei der Identifizierung therapeutischer Zielstrukturen. Ein eigenes Kapitel befasst sich mit dem Einsatz von KI in der biomedizinischen Forschung. Beispiele aus den Universitätsklinika und der Startup-Szene konkretisieren den aktuellen Stand im bayerischen Gesundheitswesen. Auch die ethischen, rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen zur sicheren Nutzung von Gesundheitsdaten werden vorgestellt.
Konkrete Handlungsempfehlungen für Politik und Gesundheitswesen in Bayern bündeln die dreijährige Arbeit der Ad hoc-AG „KI in der Medizin“:
Um die derzeit rasante Entwicklung und den verstärkten Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Medizin zu fördern, gründete die Bayerische Akademie der Wissenschaften 2023 eine Ad hoc-Arbeitsgruppe mit dreijähriger Laufzeit. Sie vernetzte die Wissenschaft mit gesellschaftlichen und politischen Akteuren, um die Rahmenbedingungen für KI-Forschung zu verbessern. Zudem gab sie der Öffentlichkeit Einblicke in die heutigen Möglichkeiten von KI in der Medizin.
Die Arbeitsgruppe formulierte Handlungsempfehlungen für die Politik, um die wissenschaftliche Wettbewerbsfähigkeit des Freistaats zu stärken. In ihren Positionspapieren setzte sie sich mit zentralen Themen auseinander, darunter „Datennutzung im European Health Data Space. Chancen und Risiken für Forschung und Innovation“ (2024), „Klinische Daten im Fokus: Innovation durch exzellente Qualität, Standards und Vernetzung“ (2025) und „Big Data for better Healthcare – European Perspectives“ (2026). Besonderes Augenmerk lag auf der Nutzung lokaler Gesundheitsdaten und der Entwicklung der notwendigen Infrastruktur. Die interdisziplinäre Arbeitsgruppe diskutierte zudem Risiken der KI-getriebenen Medizin, insbesondere im Hinblick auf die Privatsphäre von Patientinnen und Patienten, sowie potenzielle Gefahren für das Vertrauen in die Arzt-Patient-Beziehung.