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Vergemeinschaftung durch Werte? Politische Kommunikation im Wandel.

Tagung per Zoom

Werte sind ein zentrales Medium politischer Kommunikation. Aufgrund ihrer Unbestimmtheit gelingt es ihnen, so etwas wie eine „Gemeinsamkeitsunterstellung“ (Luhmann) herzustellen. Nun lässt sich jedoch beobachten, dass die Herstellung von Gemeinsamkeit immer schwieriger wird und womöglich auch gar nicht mehr vorrangiges Ziel politischer Parteien ist. Politische Ansprache rechnet stattdessen verstärkt mit einer Gesellschaft, die sich durch ein steigendes Maß an Flexibilisierung und Diversifizierung auszeichnet. Milieus und Referenzpunkte haben sich verändert, neue Konfliktlinien prägen den politischen Wettbewerb und alte Muster sozialer und politischer Kollektivierung scheinen angesichts der vielzähligen Diagnosen von Singularität und Volatilität brüchig. Dieser Prozess wurde in den letzten Jahren auch noch medientechnisch beschleunigt: Mit Hilfe von Datenanalysen und Microtargeting werden Zielgruppen erfasst, die in Wahlkämpfen jeweils angepasste Botschaften erhalten. Politische Akteure adressieren nicht länger ein allgemeines politisches Kollektiv, sondern differenzieren ihre politische Ansprache und ihre Anzeigen nach Personenkreisen. Vor diesem Hintergrund lohnt es sich, neue Formen politischer Ansprache in den Blick zu nehmen. Wird eine zielgruppenspezifische Mobilisierung verfolgt, die Wählerinnen und Wähler eher in ihren individuellen Interessen, Werteorientierungen und Anliegen anspricht, statt Angebote ideologisch intonierter Kollektivierung zu formulieren? Welche politischen Semantiken werden gebraucht, um konkrete Vorhaben der Wahlprogramme in größere Zusammenhänge einzubetten? Ist es womöglich gerade der Rückgriff auf Werte, der eine Doppeladressierung des Wählers als ein singuläres Ich ebenso wie als Teil eines kollektiven Wir erlaubt? Die Tagung fragt also nach gegenwärtigen politischen Kommunikationsstrategien sowie nach Erzählformen eines politischen „Wir“. Dabei soll es keineswegs um die Diskussion unterschiedlicher Parteiprogramme gehen, vielmehr gilt es, unterschiedliche Formen der politischen Ansprache in den Blick zu nehmen und die Frage zu stellen, wie Parteien auf neue und changierende Wählermilieus reagieren und hierbei Werte im politischen Wettbewerb kommunizieren.

Vortragende

Prof. Dr. Andrea Abele-Brehm (FAU Erlangen-Nürnberg/BAdW), Dr. Julian Müller (BAdW), Dr. Astrid Séville (LMU/BAdW), Dr. Cord Schmelzle (Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhang, Frankfurt/Main), Oliver Weber (Universität Regensburg), Prof. Dr. Tarik Abou-Chadi (Universität Zürich), Prof. Dr. Jan-Hendrik Passoth (Europa Universität Viadrina Frankfurt/Oder), Prof. Dr. Silke Mende (Westfälische Wilhelms-Universität Münster)

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Start date

13. Jul 2021 12:30

Location

Online-Veranstaltung

Organisator

Teil-AG „Gemeinschaftsinteresse und Eigeninteresse“ der Ad-hoc-Arbeitsgruppe „Zukunftswerte“ der Bayerischen Akademie der Wissenschaften: zukunftswerte.badw.de/die-arbeitsgruppe. Koordination: Dr. Julian Müller, Dr. Astrid Séville

Event Type

Wissenschaftliche Veranstaltung

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