Von links nach rechts: Luka Oboladze, MdB Thomas Erndl, MdB Norbert Röttgen, Prof. Dr. Carlo Masala, Prof. Dr. Martin Schulze Wessel, Prof. Dr. Sören Urbansky, MdB Knut Abraham, MdB Robin Wagener. Weitere Mitglieder der Arbeitsgruppe aus dem Deutschen Bundestag, darunter MdB Derya Türk-Nachbaur und MdB Agnieszka Brugger, waren bei der Auftaktveranstaltung nicht vertreten.
Am 9. Juni 2026 startete die Ad Hoc-Arbeitsgruppe „Neoimperialismus als Herausforderung der Gegenwart“ ihr neues Dialogformat Wissenschaft und Politik in der Bayerischen Vertretung in Berlin. Das Format soll den regelmäßigen Austausch zwischen Wissenschaft und politischen Entscheidungsträgern stärken. Die Teilnehmenden analysieren aktuelle geopolitische Entwicklungen, bringen wissenschaftliche Perspektiven in politische Debatten ein und entwickeln so ein besseres Verständnis für die Herausforderungen und Bedrohungen, die von neoimperialen Mächten heute ausgehen.
Martin Schulze Wessel und Carlo Masala, Akademiemitglieder und mit Heike Paul die Co-Sprecher der Ad hoc-AG leiteten die Sitzung. Sören Urbansky, Ko-Autor des Buches China und Russland: Kurze Geschichte einer langen Beziehung, gab mit seinem Vortrag „China als neoimperiale Macht“ den fachlichen Impuls. Im Mittelpunkt der anschließenden Diskussion stand die Frage, ob sich China als zeitgenössische neoimperiale Macht begreifen lässt. Die Teilnehmer diskutierten über wirtschaftliche und infrastrukturelle Abhängigkeiten, das Verhältnis zwischen China und Russland, die Bedeutung Taiwans sowie die Rolle historischer Narrative und ideologischer Konzepte in der chinesischen Außenpolitik. Zudem ging es um die Folgen von Chinas wachsendem internationalen Einfluss für Europa und Deutschland. Die lebhafte Diskussion zeigte: Das Thema ist hochrelevant, und der enge Austausch zwischen Wissenschaft und Politik bringt einen klaren Mehrwert. In den kommenden Monaten wird die Arbeitsgruppe ihre Arbeit mit weiteren Sitzungen zu verschiedenen Erscheinungsformen neoimperialer Politik fortsetzen.
Neoimperialismus als Herausforderung der Gegenwart
Die neue AG der BAdW analysiert die neoimperialen Strategien Russlands, Chinas und der USA vor dem Hintergrund einer erschütterten internationalen Ordnung. Im Zentrum stehen die neoimperialen Strategien Russlands, Chinas und der Vereinigten Staaten, die sich in Formen geopolitischer Konkurrenz, ökonomischer Einflussnahme und ideologischer Selbstverortung manifestieren. Ein zentrales Erkenntnisinteresse der Arbeitsgruppe liegt darüber hinaus in der Frage, wie Europa auf diese Entwicklungen reagieren kann und muss, insbesondere vor dem Hintergrund einer zunehmenden Erosion völkerrechtlicher Normen und einer geschwächten regelbasierten internationalen Ordnung. Die AG verbindet vergleichende, interdisziplinäre Forschung mit unterschiedlichen Dialogformaten, die sich an die Politik und Öffentlichkeit richten.
Eröffnungsveranstaltung am 14. Juli in München
Am 14. Juli findet die Eröffnungsveranstaltung der Ad hoc-AG mit einem Abendveranstaltung in München statt:
Wann: 14. Juli 2026, 18 Uhr
Wo: Bayerische Akademie der Wissenschaften, München
Vortrag von Prof. Dr. Jörn Leonhard: „Imperialismus. Über ein Muster der neuzeitlichen Geschichte“.
Anschließend diskutieren: Prof. Dr. Jörn Leonhard (Neuere und Neueste Geschichte Westeuropas, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg), Prof. Dr. Martin Schulze Wessel (Geschichte Ost- und Südosteuropas, Ludwig-Maximilians-Universität München). Prof. Dr. Carlo Masala (Sicherheits- und Verteidigungspolitik, Universität der Bundeswehr München), Prof. Dr. Heike Paul (Amerikanistik, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg)
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Die internationale Ordnung steht erneut vor tiefgreifenden Umbrüchen. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, Chinas wachsender Machtanspruch im Indo-Pazifik sowie die strategische Neuausrichtung der amerikanischen Außenpolitik stellen etablierte Gewissheiten infrage und verschieben die globalen Kräfteverhältnisse. Vor diesem Hintergrund rückt der Begriff des Imperialismus erneut ins Zentrum der wissenschaftlichen und politischen Debatte. Ist er ein historischer Relikt, oder beschreibt er vielmehr ein wiederkehrendes Muster der neuzeitlichen Geschichte, das sich in veränderter Form bis in die Gegenwart fortsetzt? Der Eröffnungsvortrag „Imperialismus. Über ein Muster der neuzeitlichen Geschichte“ nimmt diese Frage zum Ausgangspunkt und lädt dazu ein, aktuelle Dynamiken im Lichte langfristiger historischer Strukturen zu reflektieren.

