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Dr. Isabel Leicht

Wie ging die Bayerische Akademie der Wissenschaften während des Nationalsozialismus mit ihren jüdischen Mitgliedern um? Louisa Mathes’ neue Studie „Von Erwählten zu Unerwünschten“ beleuchtet die Biografien der Betroffenen – von Albert Einstein bis zu fast vergessenen Größen wie Lucian Scherman oder Kasimir Fajans. Ergänzend bringt der Live-Podcast „Tatort Geschichte“ diese Geschichten zum Klingen: Niklas Fischer und Hannes Liebrandt (LMU München) diskutieren am 25. Juni mit der Autorin über institutionelles Versagen, individuelle Solidarität und die bis heute nachwirkenden Spuren dieser Zeit.
Mit der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 veränderte sich auch die Welt der Wissenschaft grundlegend. Es begann die systematische Ausgrenzung und Vertreibung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die als „nichtarisch“ galten oder politisch unerwünscht waren. An Universitäten verloren viele schon früh ihre Positionen. In den Akademien dauerte es länger, doch auch die Bayerische Akademie der Wissenschaften schloss Mitglieder und Mitarbeiter aus: Ab dem 14. November 1938 erfolgte in eilfertiger Umsetzung einer ministeriellen Anweisung durch den Akademiepräsidenten Karl Alexander von Müller die Verdrängung der ordentlichen, dann auch der korrespondierenden Mitglieder.
„Eine Gelehrtengemeinschaft wie die BAdW verdankt ihr Ansehen den Mitgliedern. Wie sie mit ihnen in Krisenzeiten umgeht, berührt daher ihr Selbstverständnis im Kern und wirft die Frage nach institutionellen Handlungsspielräumen und individueller Solidarität in der Wissenschaft auf“, erklärt Akademiepräsident Markus Schwaiger. „Dass es aus der Gelehrtengemeinschaft keinen Widerspruch und keine Proteste gegen die Verdrängung gab, ist für die Akademie aus heutiger Sicht beschämend. Dass wir uns der historischen Verantwortung stellen, ist umso wichtiger.“
Welche antisemitischen Maßnahmen nahm die Akademie ab 1933 vor? Welche Handlungsspielräume hatten Mitglieder und Mitarbeiter der BAdW vor ihrem Ausschluss? Wie erfolgte der Verdrängungsprozess? Die Studie von Louisa Mathes liefert Antworten – im Mittelpunkt stehen die Biografien der Mitglieder und Mitarbeiter, die von der Verdrängungspolitik der BAdW betroffen waren.
Louisa Mathes: Von Erwählten zu Unerwünschten. Die Verdrängung von als „nicht-arisch“ oder „jüdisch versippt“ verfolgten Mitgliedern aus der Bayerischen Akademie der Wissenschaften nach 1933, Verlag Friedrich Pustet Regensburg 2026. ISBN 978-3-7917-3634-1
Rezensionsexemplare erhalten Pressevertreter direkt beim Verlag: presse[at]pustet.de
Louisa Mathes beleuchtet mit den Hosts Hannes Liebrandt und Niklas Fischer in „Tatort Geschichte – live in der BAdW“ die Schicksale derer, die von den Nationalsozialisten von Erwählten zu Unerwünschten gestempelt wurden.
“Tatort Geschichte” live in der BAdW: Verdrängt, vertrieben, verfolgt: Wissenschaft im Schatten des NS-Regimes
Wann: 25. Juni 20206 | 18.30 Uhr
Wo: Bayerische Akademie der Wissenschaften
Mit: Louisa Mathes (LMU München), Hannes Liebrandt und Niklas Fischer (beide LMU München und Hosts von “Tatort Geschichte”)
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Der Live-Podcast erzählt die Geschichten von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der BAdW, deren Leben und Karriere durch diese Politik erschüttert wurden. Manche sind weltbekannt, etwa der Physiker Albert Einstein oder der Chemiker Richard Willstätter. Andere sind heute fast vergessen, obwohl sie einst zu den prägenden Köpfen der Wissenschaft gehörten. Wer war der Indologe Lucian Scherman, der als Direktor des Münchner Völkerkundemuseums (heute Museum Fünf Kontinente) tief im kulturellen Leben der Stadt verankert war? Was geschah mit dem Chemiker Kasimir Fajans, der in den 1920er Jahren als möglicher Nobelpreisträger galt? Und wie passt der Fall des Anglisten Max Förster in dieses Bild, der zwar seinen Lehrstuhl verlor, aber Mitglied der Akademie blieb? Zusammen mit Louisa Mathes folgen die beiden Podcast-Hosts Niklas Fischer und Hannes Liebrandt (beide LMU München) den Biografien und fragen danach, wie sich eine wissenschaftliche Gemeinschaft im und zum Nationalsozialismus verhielt und welche Spuren diese Geschichte bis heute hinterlassen hat. „Tatort Geschichte“ ist ein Podcast der Georg-von-Vollmar-Akademie in Zusammenarbeit mit Bayern2.