Geschichte & Archäologie
In den Geschichtswissenschaften und der Archäologie erforscht die BAdW, auch mit modernsten digitalen Methoden, antike Gefäße, Keilschriftenartefakte, Inschriften, Briefe oder Urkunden als grundlegende Zeugnisse der Menschheitsgeschichte. Die Forschungsergebnisse fließen in Editionen, Verzeichnisse und Datenbanken ein. Dies sichert das kulturelle Erbe und macht es weltweit zugänglich. Spannende Podcasts und Videos aus dem Bereich Geschichte und Archäologie finden Sie in unserer Mediathek.

Archäologische Untersuchungen und Ausgrabungen zur antiken Urbanität
Die Urbanisierung war der Schrittmacher der antiken Zivilisation. In den Städten des Altertums entstanden neue Formen des Zusammenlebens, komplexe Rechts-, Wirtschafts- und Herrschaftsstrukturen sowie aufwendige Lebensstile. Das Vorhaben untersucht die materiellen Hinterlassenschaften von Städten der griechischen und römischen Antike, etwa in Pompeji, Selinunt, Apollonia oder Terracina, vernetzt Institutionen und erprobt neue interdisziplinäre Methoden.

Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland
Decken- und Wandmalereien prägten barocke Innenräume wie kaum ein anderes Gestaltungsmittel. In Schlössern, Kirchen, Festsälen oder Bibliotheken entfaltete sie zwischen 1550 und 1800 eine erstaunliche Vielfalt und Innovationskraft. Das Vorhaben erforscht die rund 4.000 erhaltenen und rekonstruierbaren Malereien auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland. Die Ergebnisse werden mit innovativen Digitaltechniken in einer Online-Datenbank zugänglich gemacht.

Corpus Vasorum Antiquorum
Antike griechische Keramik ist eine Geschichtsquelle besonderer Art: Gefäßformen, Bilder und Inschriften geben vielfältige Informationen über die Lebenswelt. Sie sind neben der schriftlichen Überlieferung eine der wichtigsten Grundlagen für unser Wissen über die Antike. Das internationale Corpus Vasorum Antiquorum erschließt die bemalte antike griechische Keramik aus Museen und Sammlungen weltweit nach einheitlichen Standards und macht sie in einer Online-Datenbank zugänglich.

Deutsche Inschriften des Mittelalters und der frühen Neuzeit
Inschriften sind Texte auf vermeintlich dauerhaftem Material wie Stein, Holz, Metall, Textil und Glas. Sie geben Zeugnis von historischen Ereignissen und Personen, die in anderen Schriftquellen kaum überliefert sind. Das Projekt erschließt die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Inschriften Bayerns in einer Edition. Sie umfasst die Transkription der teils schwer lesbaren Texte, ggf. eine Übersetzung sowie eine Objektbeschreibung, historische Einordnung und Kommentierung.

Deutscher Kolonialismus auf den Philippinen
Die Sammlung des Apothekers Heinrich Rothdauscher (1851–1937) gehört zu den ältesten Philippinenbeständen in deutschen Museen. Sie umfasst 112 sensible Ritual-, Kult- und Alltagsgegenstände, die heute im Museum Fünf Kontinente in München verwahrt werden. In Kooperation mit den Herkunftsgesellschaften und philippinischen Forschenden macht das Projekt die Erwerbungsgeschichte der Sammlung transparent: durch eine digitalen Textedition zentraler Quellen, die vollständige fotografische Dokumentation sowie 3D-Scans ausgewählter Objekte.

Digital Nuremberg Military Tribunals
Das Projekt macht die umfangreichen Akten der Nürnberger Nachfolgeprozesse (1946–1949) digital zugänglich. Es verbindet (rechts-)historische Grundlagenforschung mit Methoden der Digital Humanities, Künstlicher Intelligenz und Natural Language Processing. Ziel ist es, den internationalen Zugang zu einem Schlüsselkapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte zu fördern und neue Impulse für die Forschung zum Völkerstrafrecht und zur Aufarbeitung der NS-Verbrechen zu geben.

Formierung Europas durch Überwindung der Spaltung im 12. Jahrhundert
Das Alexandrinische Schisma (1159–1177) war die schwerste Zerreißprobe in der Formierungsphase des hochmittelalterlichen Europas. Das Projekt „Die Formierung Europas durch Überwindung der Spaltung im 12. Jahrhundert“ untersucht Verlauf und Mechanismen dieser Spaltung und nutzt sie als Modell- und Vergleichsfall, um übergeordnete Fragen nach Spaltung, Eskalation und Krisenbewältigung zu analysieren.

Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters
Das digitale Repertorium „Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters“ verzeichnet die erzählenden Quellen, die von ca. 750 bis 1519 im Gebiet des mittelalterlichen fränkischen und deutschen Reiches entstanden sind oder die deutsche mittelalterliche Geschichte betreffen. Das Verzeichnis enthält bislang über 5.300 Werke, darunter die „Carmina Burana“ oder die „Weltchronik“ des Otto von Freising, und ist digital verfügbar.

Keilschriftartefakte Mesopotamiens - Cuneiform Artefacts of Iraq in Context
Die Hochkulturen zwischen Euphrat und Tigris gelten als Wiege der Menschheit, hier entstand vor 5.000 Jahren unter anderem die Schrift. Zentraler Teil dieses kulturellen Erbes sind rund 17.000 Keilschrifttafeln, die sich im Irak-Museum in Bagdad befinden. Sie werden in dem internationalen Projekt „Cuneiform Artefacts of Iraq in Context“ (CAIC) konserviert und restauriert sowie mit modernsten Technologien wie 3D-Fotografie und Künstlicher Intelligenz dokumentiert und erforscht.

KIŠIB - Digitales Korpus vorderasiatischer Siegel und Siegelabrollungen
Siegel und Siegelabdrücke auf Tonverschlüssen und Keilschrifttafeln (sumerisch „kišib“) bilden das älteste und umfangreichste Corpus von Bildern aus dem Nahen Osten. Dieser Wissensschatz ist über Museen und Sammlungen weltweit verstreut und bislang nur begrenzt digital benutzbar. Das Vorhaben erschließt ein repräsentatives Korpus von rund 80.000 Siegeln und Siegelabrollungen aus dem 4. bis 1. Jahrtausend v. u. Z., auch mithilfe Maschinellen Lernens.

Bayerische Landesgeschichte
Die Kommission für bayerische Landesgeschichte (KBLG) fördert die Erforschung der bayerischen Geschichte in allen Landesteilen – epochenübergreifend, interdisziplinär und europäisch vernetzt. Ihr gehören rund 60 gewählte Mitglieder an, die an Universitäten und außeruniversitären Einrichtungen inner- und außerhalb Bayerns tätig sind. Teil der Kommission sind auch das Institut für Volkskunde und die Schwäbische Forschungsstelle Augsburg.

Mittelalterliche Bibliothekskataloge Deutschlands und der Schweiz
Mit dem Untergang des Römischen Reiches gingen berühmte Bibliotheken der Antike wie die in Alexandria oder die römische Bibliotheca Palatina verloren. Erst im Mittelalter verbreitete sich die Lese- und Schreibkultur erneut, nun ausgehend von den Klöstern. Das Projekt erschließt systematisch alle Bibliothekskataloge, die bis ca. 1500 in Deutschland und der Schweiz entstanden und trägt dazu bei, das geistige Erbe des Mittelalters der Forschung zugänglich zu machen.

Schriften des Johannes von Damaskus
Johannes von Damaskus (ca. 650–750 n. Chr.) gilt als letzter gemeinsamer griechischer Kirchenvater der Ost- und der Westkirche. Sein Werk umfasst die gesamte griechische Theologie am Ende ihrer großen Epoche und gilt als dogmatische Summe des orthodoxen Glaubens. In dem Vorhaben entsteht die erste kritische Gesamtedition seiner Werke.

Ptolemaeus Arabus et Latinus
Der Universalgelehrte Claudius Ptolemaeus (ca. 100–160) gilt als bedeutendster Vertreter des geozentrischen Weltbildes, seine bekanntesten Schriften sind der „Almagest“ und der „Tetrabiblos“. Das Projekt erschließt die arabischen und lateinischen Überlieferung seiner astronomischen und astrologischen Werke: durch Kataloge aller erhaltenen Handschriften, Editionen der ptolemäischen und pseudo-ptolemäischen Werke auf Arabisch und Lateinisch sowie der Kommentarliteratur. Hinzu kommen Forschungswerkzeuge und Studien.

Steinerne Zeugen digital
Das Projekt „Steinerne Zeugen digital. Deutsch-jüdische Sepulkralkultur zwischen Mittelalter und Moderne – Raum, Form, Inschrift“ widmet sich den jüdischen Friedhöfen, die in Deutschland vom 11. Jahrhundert an erhalten sind. Durch die Edition hebräischer und hebräisch-deutscher Grabinschriften sowie durch die Analyse der Formensprache der Grabmale und ihrer topographischen Anordnung entsteht ein repräsentatives Text- und Bildkorpus.

Urkunden Kaiser Friedrichs II.
Aufgabe des Projektes ist die Sammlung, Bearbeitung und Edition der mehr als 2.600 über ganz Europa verstreuten Urkunden des Stauferkaisers Friedrich II. (1194–1250). Damit leistet es einen Beitrag zur Rechts- und Verfassungsgeschichte insbesondere Deutschlands (im Sinne des Alten Reiches), Italiens und Südfrankreichs, zur allgemeinen Geschichte, zur Geschichte der Kanzlei- und Behördenstruktur sowie zur Entwicklung der lateinischen Sprache im 13. Jahrhundert.

Wissensnetze in der mittelalterlichen Romania
Im Hoch- und Spätmittelalter übernahmen die Sprachen des romanischen Kulturraums wie Italienisch, Französisch oder Okzitanisch eine Vorreiterrolle in der Wissenschaftskommunikation. Sie prägten den kulturellen Austausch und bildeten eine Grundlage für die europäische Identität als Wissensgesellschaft. Das Vorhaben untersucht exemplarisch zwei der damaligen Wissensdomänen – Medizin und Recht – und kombiniert Methoden der Linguistik, Textphilologie und Wissenschaftsgeschichte mit Digital Humanities und Ontology Engineering.

