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Vom Scheitern bürgerlicher Nationalhelden: Friedrich Ludwig Jahn und Ludwig Uhland

Öffentlicher Vortrag von Prof. Dr. phil. Dieter Langewiesche anlässlich der Jahrestagung der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und der Monumenta Germaniae Historica am 26. Februar 2003 um 18 Uhr im Plenarsaal der Bayerischen Akademie der Wissenschaften

 

 

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18. Februar 2003

Öffentlicher Vortrag von Prof. Dr. phil. Dieter Langewiesche anlässlich der Jahrestagung der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und der Monumenta Germaniae Historica am 26. Februar 2003 um 18 Uhr im Plenarsaal der Bayerischen Akademie der Wissenschaften

Eine föderative Nation wie die deutsche hatte es stets schwer, Symbole zu finden, in denen sich die gesamte Nation erkennt. Ältere Loyalitäten, die den Einzelstaaten und ihren Dynastien galten, wirkten als Sperr-Riegel. Unüberwindbar waren sie jedoch nicht, wie die Fülle nationaler Denkmäler im Deutschen Reich zeigt. Sie verwiesen meist auf eine vermeintliche nationale "Vorzeit", in deren Tradition man den jungen Nationalstaat stellen wollte, oder sie erhöhten Bismarck zum Reichsgründer, in dessen mächtigem Symbolschatten alle anderen Akteure verblassten.

Das deutsche Bürgertum gab sich mit der Rolle eines passiven Betrachters der nationalen Heldengalerie, die andere füllten, jedoch keineswegs zufrieden. Es versuchte in vielfacher Weise, seinen Anteil am Weg zum deutschen Nationalstaat öffentlich sichtbar zu machen. Eine Möglichkeit dazu bot die ältere Kulturnation als Wegbereiter der jüngeren Staatsnation zu feiern, und damit den Gebildeten das Erstgeburtsrecht in der deutschen Nation zuzusprechen.

Friedrich Ludwig Jahn und Ludwig Uhland galten dem 19. Jahrhundert als herausragende Repräsentanten der Kulturnation, mit denen sich das Bürgertum seinen Platz in der nationalen "Walhallagenossenschaft", wie es ein Zeitgenosse genannt hat, zu sichern suchte. Wie das geschah, und warum diese bürgerlichen Nationalhelden das Signum des Scheiterns trugen, will der Vortrag darstellen.

Prof. Dr. phil. Dieter Langewiesche ist ordentliches Mitglied der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und ordentlicher Professor am Historischen Seminar, Abt. für neuere Geschichte, Universität Tübingen.