Neue Perspektiven auf kolonialen Sammlungskontext
Wie verändert der Dialog mit Herkunftsgesellschaften das Verständnis und die kulturelle Bedeutung kolonialer Sammlungen in Museen?
Diese Frage steht im Zentrum des Forschungsprojekts „From Collection to Collaboration: Revisiting the Colonial Philippine Collection of Heinrich Rothdauscher (1851–1937) im Museum Fünf Kontinente in München“. Das Projekt ist an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften angesiedelt und wird in Zusammenarbeit mit dem Museum Fünf Kontinente (Richard Hölzl) sowie der Otto-Friedrich-Universität Bamberg (Mona Hess) durchgeführt. Gefördert wird es vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste.
Im Mittelpunkt steht eine der ältesten Philippinen-Sammlungen in deutschen Museen: 112 Objekte, die der Apotheker Heinrich Rothdauscher zwischen 1873 und 1883 nach München brachte, viele davon aus Nord-Luzon (Cordillera Central). Historische Quellen legen nahe, dass ein Teil dieser Objekte in Kontexten von kolonialer Herrschaft, Abhängigkeit und Gewalt erworben wurde.
Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist daher der Dialog mit den Herkunftsgesellschaften – ein Ansatz, den wir im Rahmen einer Forschungsreise auf die Philippinen praktisch umgesetzt haben. Wir haben Communities besucht, aus deren Kontext die Objekte stammen, und gemeinsam über ihre Bedeutungen sowie über den heutigen Umgang mit ihnen gesprochen.
Diese Reise folgt den Spuren einer Expedition Rothdauschers aus dem Jahr 1878: von Vigan über Abra, Kalinga und die Mountain Province bis nach Ifugao. Seine Autobiographie, Notizbücher und Briefe dokumentieren diese Route bis an die nördlichen Grenzräume des spanischen Kolonialreichs auf den Philippinen – einschließlich jener Regionen, in denen sich heute die als UNESCO-Welterbe anerkannten Reisterrassen befinden. Mitglieder des Projektteams, darunter @Pai-Li Liu, wurden auf dieser Reise von unseren Projektpartnerinnen aus den Philippinen begleitet: Maria Cristina Martinez-Juan (SOAS, University of London) und Analyn Salvador-Amores (UP Baguio).
Christopher Kast, Projektleiter an der BAdW, gibt in den kommenden Tagen auf LinkedIn Einblicke in diese Forschungsreise – als eine Art „Recap“ entlang der historischen Route: https://www.linkedin.com/in/dr-christopher-kast-7568a9403/ Zur BAdW auf LinkedIn: https://www.linkedin.com/company/bayerische-akademie-der-wissenschaften/posts/?feedView=all