142 Junge Forschung J a h r b u c h 2 0 2 5 zellen bestückt. Ein Nachteil ist jedoch, dass man sein Leben lang „synthetische“ Immunzellen im Körper hat. Zudem kann man schwierig auf „Antigen-Escape“ reagieren, da eine weitere Administration von CAR-T-Zellen, die zum Beispiel ein anderes Antigen erkennen, auch zu weiteren immunvermittelten Ne- benwirkungen führen kann. Außerdem ist es zeitaufwändig und kostspielig, den Patienten die Zellen zu entnehmen, sie zu mo- difizieren und anschließend wieder zurückzugeben. Ein weiteres immuntherapeutisches Verfahren sind Check- point-Blocker. Den Krebszellen gelingt es ja, das Immunsystem zu täuschen, deshalb sind sie so effektiv. Wenn man die Signal- moleküle, die diese Täuschung verursachen, hemmt, hat das Immunsystem wieder eine Chance, seine Aufgabe zu erfüllen. Checkpoint-Immunblocker sind schon seit einigen Jahren in kli- nischer Verwendung und haben sehr gute Ergebnisse gezeigt. „Unsere Hoffnung ist, dass wir in ein bis zwei Jahren ein Molekül entwickelt haben, das alle notwendigen Kriterien erfüllt.“ Und wann wird Ihr Ansatz in die Kliniken kommen? Derzeit sind wir in der präklinischen Entwicklung. Das heißt, wir testen sehr viel, auch in Tierversuchen, um die grundlegenden Eigenschaften unseres neuartigen Wirkstoffs zu verstehen. Wie lange bleibt er im Körper? Wie reagiert das Immunsystem auf den Wirkstoff? Es soll ja nur gegen den Krebs aktiv werden. Und wie effektiv ist der Wirkstoff? Unsere Hoffnung ist, dass wir in zwei bis drei Jahren ein Molekül entwickelt haben, das alle nö- tigen Kriterien erfüllt. Vielen Dank für das Gespräch! K L AU S WA G E N BAU E R s t u d i e r t e B io p hy s i k a n de r T U M ü n c h e n u n d g r ü n de t e m it J o na s F u n ke , B e nj a m i n K i c k u n d H e n d r i k D i e t z d a s S t a r t - up P le c t o n i c B io t e c h , d a s Ve r f a h r e n f ü r d i e K r e b s i m mu nt h e rap i e e nt w i - c ke lt . D a s G e s p rä c h ( h i e r i n A u s z ü g e n a b g e - d r u c k t ) i s t Te i l de r P o dc a s t - R e i h e „ K r e b s b e s i e - g e n “ de r BA d W – z u f i n de n i n de r BA d W- M e d i a - t h e k u n d ü b e ra l l , w o e s P o dc a s t s g i b t . D a s I nt e r v i ew f ü h r t e L au ra R äu b e r, z u e r s t e r s c h i e n e s i n A k a d e m i e A k t u e l l 0 1 / 2 0 2 5. Immuntherapeutische Ansätze sind bisher nach Operation und Chemotherapie erst der dritte Schritt bei einer Krebstherapie. Warum versucht man nicht, zuerst das Immunsystem zu aktivieren? In der Regel beginnt man mit dem größten „Hammer“, also dem vielversprechendsten Ansatz. Am besten ist es, wenn man ope- rieren kann, um den größten Teil des Tumors zu entfernen. Dann wird versucht, mit Bestrahlung oder Chemotherapie die Reste zu minimieren. Bringen diese Ansätze nicht den gewünschten Erfolg, setzt man auf eine Antikörpertherapie. Sollte sich in Zu- kunft zeigen, dass immuntherapeutische Behandlungen in 90 % der Fälle wirksam sind, werden sie im Gesamtkonzept weiter nach vorne rücken. Dann bleibt eine Operation vielleicht weiter- hin der erste Schritt, doch direkt danach würde die Immunthe- rapie folgen. Manchmal rücken Antikörpertherapien auch ganz nach vorne. Das ist zum Beispiel bei sogenannten Checkpoint- Immunblockern geschehen, die bei geeigneten Fällen bereits vor einer Operation gegeben werden, weil sie so effektiv sind. Worin unterscheidet sich denn Ihr Ansatz von anderen immun- onkologischen Verfahren? Wir versuchen, dem Immunsystem eine zweite Chance zu ge- ben: Das heißt, wir locken das Immunsystem wieder zum Krebs hin. Der Ansatz dieser sogenannten Antikörpertherapie ist fol- gender: Ein Teil des Antikörpers bindet an die Krebszelle, der andere Teil bindet an die Immunzelle und bringt sie dadurch in nächste Nachbarschaft, sodass sie eine Chance hat, die Krebs- zelle zu bekämpfen. Wenn man mit modifizierten Antikörpern arbeitet, entsteht jedoch generell das Problem, dass der Körper diese als fremd er- kennt und zu eliminieren versucht. Das ist grundsätzlich sehr gut, nur bei Medikamenten ist ja das Ziel, dass sie so lange im Körper bleiben, bis sie ihre Wirkung entfalten. Das Molekül, das wir verwenden, ist ein Hybrid aus Antikörpern und DNA. Unser DNA-Nanoschalter ermöglicht es, das Immunsystem erst dann zu aktivieren, wenn man relativ sicher eine Krebszelle erkannt hat. Dafür braucht man auf der Krebszelle mindestens zwei Zie- le, zum Beispiel A und B. Nur wenn der Schalter A und B erkannt hat, kann er sicher eine Immunzelle rekrutieren, sonst nicht. So gelingt es, gesunde Zellen größtenteils zu verschonen. Wir bauen den Nanoschalter so, dass dieses Verschonen der Zellen letztendlich auf einem mechanischen Vorgang basiert – wie ein Schalter, mit dem man das Licht anmacht: Die Nanostruk- tur schaltet das Immunsystem an. Ein anderer Ansatz im Bereich Immuntherapie ist unserem ähnlich. Hier wird das Kopplungsstück aber direkt an eine Im- munzelle (T-Zelle) angebaut. Man nennt diese Zellen dann CAR- T-Zellen. Der Vorteil ist, dass man dabei körpereigene Immun-