Forschung Psychologie #.#"#$ Jugendlichen könnten also kein Kind bekommen. Wenn sie %& oder %! sind, steht das eher im Hintergrund. Aber natürlich führt es dazu, dass typisch weibliche Formen ein Stück weit unterblei- ben. Bestimmte Aspekte, die mit der Rolle der Frau verbunden sind, werden nicht erfüllt. Das ist eine Möglichkeit, sich zu einem gewissen Grad aus dem Erwartungshorizont der Gesellschaft herauszuziehen. Sexualität ist ein anderes Kampffeld. Es geht es in jungen Jahren darum, seine Identität zu finden, erste Erfah- rungen zu machen, die vielleicht auch negativ sind. In Bezie- hungen können Dinge passieren, die man nicht kontrollieren kann. Bei manchen Betroffenen sieht man sehr deutlich diese Idee: „Ich bleibe auch in meiner Körperform möglichst unsicht- bar, kindlich.“ Themen wie Partnerschaft, Sexualität stellen sich dann erst gar nicht. Aber insgesamt lässt sich keine Regel ablei- ten, denn wir sehen auch Betroffene, die auf Autonomie drän- gen, aber eben nach ihren eigenen Spielregeln. Besonders in den sozialen Medien fällt mir auf, dass sehr dün- ne Frauen oft ziemlich androgyn sind, weil sich der Körper gar nicht entwickeln konnte. Das ist ein aktueller Schönheitstrend, der alles, was später kommt, also auch ältere Frauen, komplett ausgrenzt. Es gibt ja nur ein kleines Zeitfenster, in dem man überhaupt so aussehen kann. Gibt es bestimmte Zeiten oder Umstände, in denen ein solches Schönheitsideal besonders in ist und wo auch die Magersucht zunimmt? Das Thema Gewichtsregulation begleitet uns seit Beginn der Moderne, mit den entsprechenden Moden seit dem %). Jahr- hundert. Es hat immer mit Ernährung, mit Status zu tun. In Gesellschaften, in denen existenzielle Not herrscht, taucht das Schlankheitsideal in der Regel nicht auf. In den letzten Jahren kommt aber noch etwas anderes hin- zu: Es geht vor allem darum, dass man schlank ist und zugleich an den richtigen Stellen Kurven hat. Das geht jedoch physiolo- gisch oder anatomisch gar nicht. Sie können nicht an bestimm- ten Stellen extrem schlank sein und an anderen Stellen wohl- definierte Kurven haben, es sei denn, Sie trainieren, lassen Operationen vornehmen oder nutzen Push-ups oder Ähnliches, um sich so zu modellieren. Hier wird nur noch so getan, als ob das mit Anstrengung allein zu erreichen wäre. Generell führen Krisenzeiten immer dazu, dass das Kampf- feld Körper ein Stück weit mehr in den Vordergrund tritt. Auch wirtschaftliche Unsicherheit führt dazu, dass wir uns Bereiche „ E s k a n n d u r c h a u s s i n n v o l l s e i n , s i c h e i n e Z e i t l a n g v o n T i k To k a b z u m e l d e n . “ „ G e n e r e l l f ü h r e n K r i s e n z e i t e n i m m e r d a z u , d a s s d a s K a m p f f e l d K ö r p e r e i n S t ü c k w e i t m e h r i n d e n Vo r d e r g r u n d t r i t t . “ Magersucht ist von dem Wunsch nach einem optimierten Körper getrieben. Gesellschaft- liche Erwartungen und Vorbilder spielen eine wichtige Rolle. suchen, wo wir Kontrolle ausüben können: Mein Körper zeigt, was ich zu mir nehme, welchen Lebensstil ich pflege, wie kom- petent ich bin. Aber wieso dieser Wunsch nach Schlankheit? Man könnte in krisenhaften Zeiten auch den Wunsch verspüren, die Muskeln zu trainieren, um wehrhaft zu werden. Es sind halt keine unbekannten Muster, in die wir verfallen. Jun- ge Männer würden wahrscheinlich eher in die Richtung den- ken, die Sie ansprechen – wohldefiniert, muskulös, stark. Bei Frauen ist das Bild immer etwas anders. Sie wollen häufig nicht bedrohlich auf andere wirken. Das geht so weit, dass Zuschrei- bungen wie „rank und schlank“ eine Frau besonders schützens- wert machen können. Ich möchte noch einmal auf die fließenden Übergänge zu spre- chen kommen. Das scheint mir besonders wichtig. Wer einmal eine Diät gemacht hat, hat vielleicht erlebt, was das für ein schmaler Grat ist: Man fängt an, Kalorien zu zählen, denkt über Ernährung nach und stellt sein natürliches Essverhalten in Fra- ge. Wie sieht aber ein gesunder Umgang mit Ernährung und Sport aus? Was die Ernährung betrifft, gibt es eindeutige Empfehlungen. Mir ist wichtig: Alles, was zu einseitig ist, wird schwierig. Ob ich von sehr viel Proteinen rede oder anderen Bestandteilen, die grundsätzlich gesund sind: Eine gewisse Ausgewogenheit der !" A k a d e m i e A k t u e l l