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Veröffentlichung von "Large ice loss variability at Nioghalvfjerdsfjorden Glacier, Northeast-Greenland" in Nature Communications

Seit einigen Jahren verdichten sich die Hinweise, dass das Grönländische Inlandeis massiv an Masse verliert und diese Verluste wesentlich zum Anstieg des Meeresspiegels beitragen. Während bisher vor allem die Gletscher im Westen und Südosten Grönlands im Fokus der Massenverluste standen, zeigt auch der äußerste Nordosten des Eisschilds inzwischen auffallende Veränderungen. Dort existiert ein Eisstrom über den etwa 12% des grönländischen Eisschilds entwässert werden und der in drei großen Auslassgletschern mündet.

Einer davon (Zacharias Isbræ) hat in den letzten Jahren seine schwimmende Zunge verloren. Der nördlich davon gelegene Nioghalvfjerdsfjorden Gletscher (deutsch: 79Grad Gletscher) zeigte dagegen in den letzten 100 Jahren keine Veränderungen seiner Fläche. Dieser Gletscher endet in einer etwa 70 km langen und 20 km breiten schwimmenden Eisplatte, die im Mittel etwa 185 m dick ist und maximale Eisdicken von über 500 m aufweist. Trotz der stabilen Fläche wurde jedoch für diese schwimmende Eisplatte ein starker Rückgang der Eisdicke von etwa 30% während der letzten 20 Jahre beobachtet.

Die neuen Untersuchungen erlauben es erstmals die Abnahme der Eisdicke mit einer Auflösung von wenigen Jahren zu dokumentieren. Dabei zeigte sich, dass die mittlere Eisdickenabnahme von 5,5 m/a sich in manchen Jahren mehr als verdoppelt, während es auch Perioden mit sehr geringen Eisverlusten gibt. Die Autoren begründen diese Variabilität mit dem Einfluss des Ozeanwassers auf die Eisschmelze an der Unterseite der Eisplatte. Eine anhaltende Zunahme des Energieeintrags mit den Meeresströmungen unter das schwimmende Eis hat gravierende Folgen für dessen Stabilität. Der schwimmende Teil des Gletschers könnte in wenigen Dekaden verschwinden. Die angrenzenden kontinentalen Gletscheranteile verlieren dadurch teilweise ihre Stabilität und erfahren ebenfalls einen erheblichen Massenverlust von 100-200 m Eisdicke, der sich in einem ersten Stadium allerdings nur auf einen etwa 40 km breiten Randbereich erstreckt, während etwa 10 km des Gletschers aufschwimmen werden und den Abfluss weiter verstärken.

von Christoph Mayer1, Janin Schaffer2, Tore Hattermann2, Dana Floricioiu3, Lukas Krieger3, Paul A. Dodd4, Tosten Kanzow2, Carlo Licciulli1 und Clemens Schannwell5

1Erdmessung und Glaziologie, Bayerische Akademie der Wissenschaften, München

2Physische Ozeanographie, Alfred Wegener Institut, Helmholtz Zentrum für Polar- und Meeresforschung, Bremerhaven

3Methodik der Fernerkundung, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Oberpfaffenhofen

4Norsk Polar Center, Tromø, Norwegen

5Geologie und Geodynamik, Universität Tübingen

 

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