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Die Open Access Policy der
Bayerischen Akademie der Wissenschaften

Forschung stiftet den größtmöglichen Nutzen für die Wissenschaftsgemeinschaft und die interessierte Öffentlichkeit, wenn ihre Ergebnisse digital verfügbar und für jedermann frei zugänglich sind.

Deshalb ist die Bayerische Akademie der Wissenschaft bestrebt, ihre Publikationen – soweit dies rechtlich im Rahmen bestehender Verträge möglich ist – als Open-Access-Publikationen zu veröffentlichen.

Open Access bedeutet, dass die Publikationen nicht nur frei zugänglich sind, sondern insbesondere auch genutzt und weitergegeben werden dürfen. Die genauen Bedingungen der Weitergabe regelt eine Open Access Lizenz. Es gibt verschiedene Arten von Open Access Lizenzen, die unterschiedlich restriktiv sein können und z.B. die kommerzielle Nachnutzung einschränken oder die Weitergabe in veränderter Form (sogenannte „abgeleitete Werke“) verbieten.

Die Bayerische Akademie der Wissenschaften veröffentlicht ihre Werke unter der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft empfohlenen Lizenz Creative Commons CC BY. Die CC BY-Variante der Creative Commons Lizenz erlaubt sowohl die kommerzielle Nachnutzung als auch die Nutzung und Weitergabe in abgeleiteten Werken, solange die Urheber des ursprünglichen Werkes genannt wird.

1. Warum veröffentlicht die BAdW ihre Werke als Open Access?

Wissenschaft beruht seit jeher auf dem freien Austausch und der wechselseitigen rationalen Kritik von Ideen und Gedanken. Im digitalen Zeitalter kann dem am besten Rechnung getragen werden, wenn der Weitergabe wissenschaftlicher Erkenntnisse keine rechtlichen Schranken auferlegt werden. Im Übrigen: Die Forschung der Bayerischen Akademie der Wissenschaften wird mit öffentlichen Mitteln bezahlt, sodass auch deshalb die Resultate der Forschung der Öffentlichkeit gehören sollten.

2. Warum stellt die BAdW ihre Werke unter die CC-BY-Lizenz?

Die CC-BY-Lizenz gestattet im Vergleich zu anderen freien Lizenzen, insbesondere anderen Varianten der CC-Lizenz, den größtmöglichen Spielraum bei der Weiterverwendung der Werke. Dies entspricht den Empfehlungen der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Restriktivere Lizenzen führen demgegenüber zu empfindlichen Einschränkungen. So führt z.B. die NC-Klausel, die die kommerzielle Nachnutzung verbietet, dazu, dass das Material in abgeleiteten Werken nicht zusammen mit anderem Material verwendet werden kann, dessen Lizenz die Weitergabe unter gleichen Bedingungen fordert, die kommerzielle Nutzung aber zulässt. Wikipedia lehnt aus diesem Grund Mediendateien unter NC-Klausel ab. Bereits die freie Verwendung durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk wird durch die NC-Klausel verwehrt (Urteil des Landgerichts Köln vom 5. 3. 2014).

Auf der anderen Seite greift die BAdW nicht auf die noch freiere CC-0-Lizenz zurück, mit der Werke praktisch für gemeinfrei erklärt werden, weil sie als steuerfinanzierte Einrichtung ein Interesse daran hat, dass es sichtbar wird, wenn ihre Forschungsergebnisse auch in anderen Zusammenhängen verwendet werden können - daher die Forderung der Namensnennung.

3. Warum verwendet die BAdW in einigen Fällen dennoch andere Lizenzen als CC BY?

Ausnahmen von der Verwendung der CC-BY-Lizenz ergeben sich meistens dadurch, dass bestehende Verträge mit Verlagen, die die Druckausgaben besorgen, eine uneingeschränkte Freigabe nicht zu lassen. So kann es z.B. vorkommen, dass nach dem Verlagsvertrag die BAdW zwar das Recht behält, die einzelnen Beiträge eines Sammelbandes frei zur Verfügung zu stellen, nicht aber den Band als Ganzes. Dann kann die BAdW die Beiträge nur unter einer Lizenz anbieten, die die Bildung abgeleiteter Werke verbietet, wie z.B. die CC-BY-ND-Lizenz (ND für „no derivatives“). Andernfalls könnte jemand anderes die einzelnen Beiträge wieder zu einem Sammelband zusammenfassen und in dieser Form verbreiten.

4. Warum sind nicht alle Publikationen der BAdW sofort frei verfügbar?

In manchen Fällen ist die digitale Bereitstellung nicht oder nur nach einer mit dem Verlag, der die Druckausgabe vertreibt, vereinbarten Verzögerungsfrist möglich. Die Forschungsprojekte der Bayerischen Akademie der Wissenschaften sind Langzeitprojekte, die über viele Jahrzehnte laufen. Viele der Verlagsverträge sind noch zu einer Zeit geschlossen worden, in der man die heute möglichen digitalen Verbreitungsmöglichkeiten noch nicht antizipieren konnte. Die Bayerische Akademie der Wissenschaften ist bestrebt, solche Verträge nachzuverhandeln und eine Lösung zu finden, die die freie digitale Bereitstellung zumindest nicht für die gesamte Regelschutzzeit kategorisch ausschließt.

5. Schränkt eine Verpflichtung auf Open-Access nicht die Rechte der wissenschaftlichen Autoren und Autorinnen empfindlich ein?

Ganz im Gegenteil: Dadurch, dass die in der BAdW erarbeiteten wissenschaftlichen Werke unter einer freien Lizenz veröffentlicht werden, behalten insbesondere auch die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das Recht, ihre eigenen Werke nach der Veröffentlichung nach Belieben weiter zu verbreiten. Die früher in der Wissenschaft üblichen Verlagsverträge zwangen dagegen die Autorinnen und Autoren, sämtliche Nutzungsrechte an den Verlag abzutreten. Theoretisch hätte dann ein Wissenschaftler oder eine Wissenschaftlerin noch nicht einmal mehr das Recht gehabt, die PDF-Datei an einen Studenten oder eine Kollegin weiterzugeben, die sie darum bittet. Bei einer Open-Access-Veröffentlichung behält der Autor oder die Autorin dagegen die Nutzungsrechte am eigenen Werk.

6. Stellt die BAdW auch Forschungsdaten digital unter einer freien Lizenz zur Verfügung?

Die BAdW beabsichtigt dort, wo das möglich und sinnvoll ist, nicht nur die Forschungsergebnisse und Publikationen, sondern auch die Forschungsdaten frei zur Verfügung zu stellen. Möglich ist das dann, wenn dadurch nicht die Rechte Dritter (z.B. Persönlichkeitsrechte) beeinträchtigt werden. Sinnvoll ist es, wenn es sich um Forschungsdaten handelt, die für den wissenschaftlichen Begründungszusammenhang relevant sind (im Gegensatz zu bloßen Forschungsnotizen), und die als Ausgangsmaterial für weitere Forschungsvorhaben dienen können. Die Bereitstellung von Forschungsdaten kann dadurch erschwert oder verzögert werden, dass ihre digitale Bereitstellung in manchen Fällen mit einem höheren technischen Aufwand verbunden ist als etwa die digitale Bereitstellung von Publikationen.